Die Sonne im Herzen
Ein Schüler fragte seinen Lehrer:
„Meister, wo wohnt das Licht, das alles erhellt?
Ist es die Sonne am Himmel?
Ist es das Feuer?
Ist es der Mond?“
Der Lehrer antwortete:
„Wenn die Sonne untergeht,
was bleibt?“
Der Schüler sagte:
„Das Feuer leuchtet.“
„Und wenn das Feuer erlischt?“
„Dann leuchtet der Mond.“
„Und wenn der Mond nicht scheint?“
Der Schüler schwieg.
Der Lehrer sagte:
„Dann leuchtet das Licht in deinem Herzen.
Durch dieses Licht siehst du.
Durch dieses Licht erkennst du.
Es geht nie unter.“
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Die Geschichte ist eine freie Nach-Erzählung inspiriert von einem Dialog aus der Brihadaranyaka Upanishad. Hier wird erzählt, wie der Weise Yajnavalkya erklärt, dass das wahre Licht des Menschen nicht die Sonne oder der Mond ist – sondern das Licht des Selbst im Herzen.
Brihadaranyaka Upanishad, Kapitel 4, Abschnitt 3, Verse 1–6:
Dort fragt der König Janaka den Weisen Yajnavalkya:
„Was ist das Licht des Menschen?“
„Die Sonne.“
„Und wenn die Sonne untergeht?“
„Der Mond.“
„Und wenn der Mond untergeht?“
„Das Feuer.“
„Und wenn das Feuer erlischt?“
Dann antwortet Yajnavalkya:
„Das Selbst (Atman) ist sein Licht.“
Eine schöne Erinnerung gerade zum Frühlingsbeginn, wenn das Licht zurückkehrt, uns auch an unser inneres Licht zu erinnern und uns zu fragen: Was möchte ich ins Licht bringen?